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Blutfe­tisch & Biografie – Teil 2 – Warum ausge­rechnet Blut

  • Beitrags-Kategorie:BDSM / Identität

⚠️ Trigger Warnung! ⚠️ 

Folgende Themen werden in Text- und Bildform in diesem Blog erwähnt/gezeigt: Blut, Wunden, Narben, Opera­tionen, Selbst­ver­let­zungs­im­pulse, emotionale Vernach­läs­sigung, kontrol­lie­rende Famili­en­struk­turen, Verlust, Trauer, Menstruation, explizite Sexua­lität, BDSM, D/s, Bloodplay und Abhän­gigkeit in Beziehungen.

Wenn du merkst, dass dich solche Themen schnell überwäl­tigen, dann schütze dich bitte und lies diesen Blog nur in einem Moment, der sich sicher anfühlt.

Was Bloodplay umfasst, welche Formen es gibt und was die Forschung über die Entstehung eines Blutfe­ti­sches weiß, habe ich bereits im ersten Teil erklärt. Nun wird's persönlich.

Blut – Meine ersten Erinnerungen

Wie bei vermutlich den meisten Kindern verbinden sich auch meine ersten Erinne­rungen an Blut mit aufge­schürften Knien, abgeknib­beltem Wundschorf und aufge­kratzten Mücken­stichen. Nichts Außer­ge­wöhn­liches also. Blut gehörte zu den kleinen Verlet­zungen der Kindheit, und natürlich wurde auch auspro­biert, wie es schmeckt.

Etwas ungewöhn­licher war vielleicht, dass ich weder vor Spritzen noch vor Blutab­nahmen oder Zahnarzt­be­suchen Angst hatte. Wenn meine Großmutter mich zum Impfen begleitete, jammerte sie bereits beim Anblick der Spritze. Ich hingegen verstand nicht, worin das Problem bestand und weshalb ich anschließend für meine Tapferkeit gelobt wurde. Besonders prägend war all das vermutlich nicht. Ich hatte auch noch nie in meinem Leben Nasenbluten.

Es gibt nur eine größere Erinnerung an Blut aus meiner Kindheit, die mir bis heute deutlich vor Augen steht: ein Fahrradunfall.

Ich war ungefähr zehn Jahre alt, als ich mit einem sehr schnell fahrenden Fahrrad zusam­men­stieß. Die Schürf­wunden an meinen Knien wären vermutlich bald wieder verheilt, doch oberhalb meines Fußes klaffte ein tiefer Schnitt. Noch heute sehe ich das weiße Söckchen mit seinem Spitzenrand vor mir, das sich immer weiter rot färbte.

Die Wunde musste im Krankenhaus mit mehreren Stichen genäht werden. Es war das erste Mal, dass ich dort behandelt wurde, und aus einem Grund, an den ich mich heute nicht mehr erinnern kann, geschah das ohne Betäubung. 

Deutlich im Gedächtnis geblieben sind mir die dicken roten Tropfen, die in eine Pappschale liefen. Anschließend wurden meine aufge­schürften Knie mit Jod besprüht. Das intensive Brennen hat sich ebenso einge­prägt wie die Bilder der Behandlung. Die etwa sieben Zenti­meter lange Narbe mit ihren kleinen Punkten trage ich bis heute.

Nähe, Kontrolle und ein Körper ohne Mitspracherecht

Abseits der offen­sicht­lichen Zusam­men­treffen mit Blut, sollte ich euch noch etwas mehr über meine Kindheit erzählen, denn die Liebe zur Blut-Ästhetik kam erst später. Die Vorstel­lungen davon, was Nähe, Zugehö­rigkeit und Selbst­be­stimmung bedeuten, wurden bereits in meiner frühen Kindheit geprägt.

An meine ersten drei Lebens­jahre habe ich natur­gemäß nur wenige konkrete Erinne­rungen. Ich weiß jedoch, dass ich meiner Mutter damals sehr nahe stand. Das änderte sich mit der Trennung von meinem Namens­geber. Ich reagierte auf den Verlust stark und unregu­liert. In den folgenden Jahren war ich oft traurig, weinte viel und lief nachts panisch aufge­schreckt durch das Haus.

Wie meine nächt­liche Angst aufge­nommen wurde, hing davon ab, wer gerade da war: War meine Mutter allein, durfte ich zu ihr ins Bett. War ihr neuer Partner anwesend, wurde ich eher ignoriert. In solchen Nächten nahm mich statt­dessen häufig mein Bruder bei sich auf und tröstete mich. Meine Mutter sollte mein Verhalten später als Psycho­terror” bezeichnen.

Nähe war damit wechselhaft und an Bedin­gungen geknüpft, die ich selbst nicht beein­flussen konnte. Ob ich Trost bekam, hing nicht nur davon ab, wie schlecht es mir ging, sondern auch davon, wer im Haus war und wessen Bedürf­nisse gerade wichtiger erschienen. Aus heutiger Sicht male ich mir aus, wie unver­ständlich das für ein kleines Kind gewesen sein muss: Manchmal war dieselbe Angst Grund genug, aufge­nommen zu werden. Ein anderes Mal blieb ich mit ihr allein.

Leitsätze

Zwischen meinem dritten und achten Lebensjahr wechselten oft Orte, Bezugs­per­sonen und Tages­ab­läufe, während ich selbst kaum Einfluss darauf hatte. Dieses Muster setzte sich in anderen Lebens­be­reichen fort. Der neue Partner meiner Mutter machte sehr deutlich, dass in seinem Haus alles ihm gehörte. Damit waren nicht nur Möbel oder Gegen­stände gemeint. Auch meine Mutter und ich wurden in dieses Besitz­ver­ständnis einge­schlossen. Wenn ich sagte, dass etwas mir gehöre, bekam ich den Spruch zu hören: Mach die Augen zu, dann siehst du, was deins ist.“

Ein zweiter Satz, der meine Kindheit begleitete, lautete: Blut ist dicker als Wasser.“ Gemeint war damit die besondere Verpflichtung gegenüber der Familie. Familie war etwas, das zusam­men­halten musste und dem mensch sich nicht einfach entziehen konnte.

Funfact zu Blut ist dicker als Wasser“: 

Im Internet kursiert häufig die Behauptung, der ursprüng­liche Satz habe vollständig The blood of the covenant is thicker than the water of the womb“ gelautet. Demnach wären freiwillig geschlossene Verbin­dungen stärker als biolo­gische Verwandtschaft. 

Histo­risch lässt sich diese Herkunft jedoch nicht belegen. Eine verwandte Form des Sprich­worts findet sich bereits um 1180 im Mittel­hoch­deut­schen von Reinhart Fuchs und bezieht sich tatsächlich auf Verwandt­schaftsblut. Die Version mit dem Blut des Bundes“ und dem Wasser des Mutter­leibs“ tauchte erst in wesentlich jüngeren Deutungen auf. 

Die moderne Gegen­version gefällt mir trotzdem deutlich besser. 

Gleich­zeitig hatte ich selbst nur wenig Recht auf Besitz, Entscheidung und körper­liche Autonomie. Mein Nein hatte innerhalb der Familie wenig Eigenwert. Wenn ich mich wider­setzte oder eigene Bedürf­nisse äußerte, hieß es, bei mir kämen die Hörnchen heraus“. Dabei wurden mit den Fingern Hörner über meinem Kopf angedeutet. Es sollte eine Referenz auf mein Stern­zeichen (Steinbock) sein. Als kleines Kind hatte ich Angst, dass an meiner Stirn tatsächlich etwas wachsen könnte. Vielleicht mag ich ja heute gehörnte Dämonen deshalb so gerne 😉

Heute sehe ich in meinem Verhalten vor allem den Versuch eines Kindes, die eigenen Grenzen zu vertei­digen. Damals wurde daraus eine negative Charak­ter­ei­gen­schaft gemacht: Ich war bockig, schwierig oder undankbar, sobald ich nicht bereit­willig mitmachte. Irgendwann hörte ich zunehmend auf, mich zu wehren.

Auch Privat­sphäre war kaum vorge­sehen. Meine Mutter durch­suchte bezie­hungs­weise räumte“ mein Zimmer regel­mäßig auf. Besonders während meiner Jugend empfand ich das als massiven Eingriff. Meine Großmutter kam ohne anzuklopfen herein und begründete das damit, dass ich ja wohl gerade keinen Freund im Zimmer hätte. Die Möglichkeit, dass ich auch allein ein Recht auf einen geschützten Raum haben könnte, spielte keine Rolle.

Ich glaube, dass ich vor allem dann Anerkennung bekam, wenn ich etwas aushielt, mich fügte und keine Umstände machte. Dazu passen auch Schwei­ge­strafen und emotio­naler Druck. Konflikte wurden nicht gemeinsam geklärt. Nähe konnte entzogen werden, bis ich mich wieder angepasst hatte.

Zwischen­fazit: Wie Zugehö­rigkeit geprägt wurde

Ich lernte also früh, dass Bezie­hungen nicht zwangs­läufig bedeuten, als eigen­ständige Person gesehen zu werden. Zugehö­rigkeit konnte Besitz heißen. Nähe konnte davon abhängen, wie gut ich mich anpasste. Worte wie Familie, Liebe und Verant­wortung konnten mit Forde­rungen verbunden sein, während meine eigenen Bedürf­nisse unsichtbar blieben.

Vielleicht entstand daraus der Wunsch nach einer Verbindung, die sich nicht nur auf Worte stützt. Nach etwas Sicht­barem, Körper­lichem und Eindeu­tigem. Einer Nähe, bei der ich nicht übersehen werde und bei der beide Betei­ligten bewusst etwas mitein­ander teilen.

All das erklärt keinen Blutfe­tisch oder allgemein Interesse an BDSM. Viele Menschen erleben wechsel­hafte Nähe, Kontrolle oder fehlende körper­liche Autonomie, ohne jemals eine besondere Beziehung zu BDSM zu entwi­ckeln. Trotzdem sehe ich in diesen Prägungen einen Teil der emotio­nalen Grundlage für die Art meiner Liebe zu BDSM und Blut.

Die Bilder dafür fand ich aber erst in meiner Jugend.

Selbst­re­gu­lation

Wenn ich heute darüber nachdenke, wie ich als Kind mit starken Gefühlen umging, fällt mir vor allem eines auf: Ich hatte kaum bewusste Strategien dafür. Meist zog ich mich zurück, blieb mit den Gefühlen allein und wartete darauf, dass sie irgendwann schwächer wurden. Lösungen suchte ich eher impulsiv im Außen, statt meinen Zustand gezielt über den Körper zu regulieren. Ich denke auch nicht, dass jemand in meiner Familie wusste, wie Regulation funktio­niert. Da wurde lieber geraucht oder gesoffen.

Trotzdem gab es einige wieder­keh­rende Verhal­tens­weisen, die bei mir zu beobachten waren: Ich schau­kelte, wippte, biss auf Finger­nägel oder Lippen, knirschte mit den Zähnen und fuhr mir durch die Haare (Wer hätte das mit dem Autismus nur ahnen können???). Wenn ich weinte, hielt ich teilweise die Luft an, um wieder still zu werden. Auch das Aufkratzen von Mücken­stichen gehörte natürlich dazu. Ob mich diese Dinge tatsächlich beruhigten, kann ich rückbli­ckend kaum beurteilen. Wahrschein­licher ist, dass sie überschüssige Spannung kurzfristig gebunden haben.

Wasser war eine der wenigen körper­lichen Erfah­rungen, die ich deutlich positiv erinnere. Ich mochte das Gefühl auf der Haut und verbrachte in den Ferien viel Zeit im Schwimmbad. Zu Hause wurde dagegen nur wenig geduscht oder gebadet. Nicht täglich, wie heute. Vielleicht hatte Wasser deshalb etwas Beson­deres: Es war intensiv spürbar, umschloss die Haut und verlangte keine Worte.

Daneben gab es in mir auch eine ausge­prägte körper­liche Neugier. Ich trat mir aus Forschungs­in­teresse Nadeln in die Fußsohle und goss heißes Kerzen­wachs auf meine Hände, um zu beobachten, was geschah und wie sich das Material verän­derte. Ich formte aus Teelicht­wachs kleine Würfel. Dabei ging es mir nicht darum, Schmerzen zur Beruhigung einzu­setzen. Der entschei­dende Impuls war eher: Ich will sehen, was passiert.

Auch Blut habe ich in meiner Kindheit und Jugend nicht bewusst als Release benutzt. Ich verletzte mich nicht, um Gefühle loszu­werden und Blut hatte für mich keine beruhi­gende Funktion. Es war zunächst ein beobacht­bares körper­liches Phänomen: Farbe, Bewegung, Wärme, Verän­derung. Diese Neugier könnte später dazu beigetragen haben, dass Blut für mich nicht automa­tisch mit Angst oder Abwehr verbunden war.

Für die Entstehung meines Fetischs scheint Selbst­re­gu­lation deshalb keine Haupt­ur­sache zu sein, Neugier und Forschung hingegen schon.

Meine Jugend: Als Blut eine Ästhetik bekam

In meiner Jugend hat sich die Bedeutung von Blut verändert. Aus einem körper­lichen Phänomen, das ich neugierig betrachtete, wurde zunehmend ein ästhe­ti­sches und später auch eroti­sches Motiv. Die Bilder dafür fand ich vor allem in Animes, Serien und Filmen. Ich werde hier die weniger bekannten Werke in den Vorder­grund stellen oder jene, wo der Bezug indirekter ist.

Eine frühe Prägung war Dragon Ball Z. Dort lief verletzten Figuren häufig Blut aus dem Mund oder über das Kinn. Entscheidend war für mich weniger die Verletzung als der Umgang damit: 

Die Charaktere blieben stehen, wischten das Blut mit einem Finger weg und kämpften weiter. Blut zeigte, dass etwas geschehen war, ohne die Figuren schwach erscheinen zu lassen. Ihre Ruhe, Trotzigkeit und Wider­stands­kraft wirkten auf mich stark und imposant.

Andere Werke verbanden Blut mit Schönheit und Tragik. In X: The Movie”  füllt sich der Bildschirm mehr als einmal mit Kirsch­blüten und rinnendem Blut. Aus Körpern werden Schwerter geboren. Diese Bilder empfand ich nicht als brutal. Sie waren drama­tisch kompo­niert, emotional aufge­laden und visuell schön. Blut machte den Verlust sichtbar und verlieh der Szene eine Schwere, die über gewöhn­liche Gewalt hinausging.

Besonders wichtig wurde Vampire Hunter D: Bloodlust”. In einer Nahauf­nahme sieht der Vampir Meier Link die Adern unter Charlottes Haut und möchte sie beißen. Gleich­zeitig hält er sich zurück, weil er die geliebte Person nicht verletzen will. Genau diese Verbindung aus Begehren, Gefahr, Kontrolle und Fürsorge faszi­nierte mich. Erotisch wirkte die Spannung zwischen dem Wunsch zu beißen und der Entscheidung, den schwachen, geliebten Menschen zu schützen.

Generell hat dieser Film eine solche Ästhetik wie kein Zweiter. Absolute Empfehlung.

Auch Buffy, Hellsing (Anime / Manga / OVA) und später der Van Helsing Film verbanden Blut mit Vampi­rismus, Körpernähe und Beziehung. Hälse, Bisse und Bluttransfer hatten eine Intimität, die ich in gewöhn­lichen Liebes­ge­schichten nicht fand.

Splat­ter­filme und Gore inter­es­sierten mich dagegen kaum. Große Mengen Blut allein lösten nicht dieselbe Faszi­nation aus. Entscheidend war der Zusam­menhang. Blut musste an einem Körper sichtbar sein, eine Beziehung ausdrücken oder Teil einer emotional aufge­la­denen Szene werden. Sinnlose Zerstörung hatte für mich wenig Reiz.

Zwischen zwölf und vierzehn Jahren tauchte Blut auch das erste Mal in meinen eigenen Zeich­nungen auf. In einem Vanitas-Still­leben wurde eine Hand mit einem Dolch aufge­spießt; das Blut lief über ein Buch. Ich bin sicher, dass ich spätestens damit zu den auffäl­ligen Schüler:innen gezählt wurde.

(Lüge haha, schon seit der 7ten Klasse, wo ich mich ein paar Mal psycho­so­ma­tisch nach der Busfahrt übergeben musste und fortan erst richtig gemobbt wurde.)

Beim Schreiben dieses Textes springt mir aber noch diese unsexuelle Erinnerung in den Sinn: Später im Teenager­alter hatten wir gerade kein Auto zur Verfügung und ich bin mit dem Rad 4 Kilometer zum Zahnarzt geradelt. Schlau war das nicht, denn ein Zahn wurde für die Zahnspange gezogen und bei der Hälfte des Rückweges spuckte ich erstmal ordentlich Schleim und Blut auf die Landstraße. Unter­haltsam, wie die Fäden klebten. Taschen­tücher hatte ich keine dabei und so war mein Shirt anschließend ganz verschmiert.

Wie Faszi­nation erotisch wurde

Parallel entwi­ckelte sich meine Sexua­lität. Als Teenager war ich selbst­redend sehr leicht erregbar und sah verschiedene erotische Anime und Filme, in denen Sexua­lität, Gewalt und Blut neben­ein­ander vorkamen. Die berühmten Vox Anime Nights, hach! Dazu gehörte u. A. Midnight Panther”, wo Blut in Auftrags­morden, Rache und Befreiung seinen Einsatz fand.

In Saber Mario­nette R” kam ich mit humanoiden Android-Sexpuppen in Berührung und dem Konzept von Service bis über die eigenen Grenzen hinaus. Hier war der Kontrast zwischen dem Führungsstil des Protago­nisten und des Antago­nisten der prägendste Faktor für mich. Die Gewis­sens­frage, wie mensch mit den humanoiden Robotern umgeht, war sehr bewegend. Die ein oder andere blutige Kratzspur war auch ansehnlich 😉 Ich hegte diesen Anime sehr lange, aufge­zeichnet auf einem Videoband. 

Mit ungefähr vierzehn Jahren kam der Wunsch nach Blutschmuck hinzu. In Kite – Ein gefähr­liches Mädchen” hatte ich große, kegel­förmige Ohrringe gesehen, die mit Blut gefüllt waren. Im Film handelte es sich um das Blut ihrer ermor­deten Eltern. Für mich sollte es dagegen das Blut meines Partner sein. Die Vorstellung, einen Teil dieses Menschen als Schmuck bei mir zu tragen, löste sofort eine tiefe Faszi­nation aus. Lange bevor ich Blood Play prakti­zierte, war Blut damit bereits zu einem möglichen Träger von Beziehung und Erinnerung geworden.

Wahrscheinlich kamen also in dieser Phase mehrere Dinge zusammen: meine frühe Neugier auf den Körper, die emotionale Bedeutung von Zugehö­rigkeit, die Bildsprache von Anime und Vampir­ge­schichten sowie die sexuelle Erreg­barkeit der Pubertät. Die Medien haben meinen späteren Blutfe­tisch vermutlich nicht aus dem Nichts erzeugt. Sie gaben einer bereits vorhan­denen Faszi­nation jedoch Bilder, Geschichten und eine roman­tische Sprache. Einen einzelnen Moment, in dem aus Interesse plötzlich ein Begehren wurde, kann ich jedoch nicht benennen.

Aus Blut wurde Wärme, Stärke und Erinnerung. Vampi­rismus verband es zusätzlich mit Begehren, Zurück­haltung und Nähe. Damit waren die wichtigsten Motive vorhanden, kurz bevor Blood Play Teil meines wirklichen Lebens wurde.

Vom Symbol zum Fetisch

Bis zu diesem Punkt existierte Blut für mich vor allem in Bildern und Fantasien. In der ersten Teenie-Partner­schaft spielte es keine Rolle. Jedoch brachte ein paar Jahre später mein erstes (und einziges) Internet-Only-Boyfriend”-Fiasko viel Gore und Blut mit sich. Wirklich kein Wunder, dass der kleine Edgelord mich damals so angezogen hat. So gibt es doch ein ganz berühmtes Foto von ihm, wie er vollständig mit Kunstblut bedeckt auf dem Bett in einem wüst ausse­henden Raum steht. Dafür hat er wohl von der erschreckten Mutti Hausarrest bekommen.

Echte Bloodplay Erfah­rungen machte ich mit meiner ersten richtigen Langzeit­part­nerin. Blut spielte gelegentlich in unsere Sexua­lität hinein, ohne bereits ein klar definiertes Ritual oder einen festen Platz in der Beziehung zu haben. Ich wusste damals selbst noch nicht genau, wonach ich suchte. In einer frühen Session wurde Blut Teil einer insze­nierten Eifer­suchts­dy­namik. Den genauen Ablauf darf ich euch natürlich nicht schildern 😉 Nicht, dass ihr das noch nachmacht. Diese Wunde ging auch später immer wieder auf. Haha, was für eine weirde Zeit.

Wirklich prägend wurde Blood Play erst in meiner nächsten Beziehung. Wir lebten zu Beginn weit vonein­ander entfernt und sahen uns einmal im Monat. Jeder Besuch war dadurch lange erwartet und emotional stark aufge­laden. In diesen wenigen gemein­samen Tagen fanden auch unsere BDSM-Sessions statt. Blut wurde darin schnell zu einem wieder­keh­renden Element.

Zu Beginn wünschte ich mir einen Biss als Erinnerung an einen gemein­samen Urlaub. Die sichtbare Spur auf meiner Schulter war für mich ein tolles Souvenir. Wenig später folgte eine bewusst angelegte Narbe auf meinem Hintern, die als Zeichen von Zugehö­rigkeit gedacht war. Sie ist noch heute zu sehen, wenn auch verblasster.

2011/09/17
2026/08/02

Eine neue Narbe auf meinem Rücken wurde bei späteren Treffen als gemein­sames Ritual weiter­ge­führt. Die bleibende Spur war bei mir über die Zeit zwischen unseren Begeg­nungen. Gerade innerhalb einer Fernbe­ziehung hatte das eine besondere Wirkung. Die gemeinsame Zeit war begrenzt, die Narben und Kratz­spuren dagegen beglei­teten mich im Alltag und wollten gepflegt werden.

Ich erinnere mich noch daran, dass ich mit diesen Kratzern am Hals zum fünfzigsten Geburtstag meines Chefs gegangen bin und dort fotogra­fieren musste. Ihm fielen die Spuren natürlich direkt auf…trotz vorsorglich angezo­genem Rollkragen lol

Mich faszi­nierte bei unserem Spiel nicht nur das Ergebnis. Auch das frische Blut selbst wurde zu einem starken visuellen und körper­lichen Reiz. Ich liebte es, wenn es über die Haut lief, sich verteilte und auf Händen oder Gesicht sichtbar wurde. Ein Bild ist mir bis heute besonders deutlich geblieben: Ich drehte mich um und sah mein Blut im Gesicht meines Partners. Dieser Anblick traf meinen Fetisch in seiner ganzen Intensität.

Bloodplay verband in dieser Beziehung Vampi­rismus, Körpernähe, sichtbare Spuren, grenzen­loses Vertrauen und Zugehö­rigkeit. Hinzu kam die D/s‑Dynamik. Das Blut wurde zu einem Ausdruck meiner Hingabe und zu einem Zeichen dafür, wem ich mich in diesem Moment anvertraute.

Auch der Schmerz gehörte zu den Erfah­rungen, stand für mich jedoch nicht im Zentrum. Entscheidend waren die Situation, die Hände meines Gegen­übers und das Wissen, wer die Spuren erzeugte. Derselbe körper­liche Reiz hätte ohne diese Verbindung eine andere Bedeutung gehabt. Mein Fetisch war an Beziehung gebunden.

Blut auf Umwegen

Während dieser Zeit hatte ich eine weitere Operation: Eine Hautman­tel­kor­rektur an der Brust. Nach dieser OP lag ich 2011 wach im Zimmer. Diese Anästhesie war perfekt ausba­lan­ciert gewesen und ich war direkt hellwach, nicht noch 6 Stunden außer Gefecht wie nach der Mastek­tomie zwei Jahre zuvor.

Am Mittag kam die Chirurgin ins Zimmer, entwirrte meine Bandage und sagte, dass sie die Wunde nochmal öffnen müsse, da sich irgendwas verklumpt habe. Das machte sie direkt auf dem Bett. Ich schaute ihr munter dabei zu. Ein Mitpa­tient verließ lieber das Zimmer. Pussy”, dachte mein 21 jähriges Ich. Es sah sehr faszi­nierend aus und ich erinnere mich noch genau wie das Blut auf Bett und Boden spritzte. Die Schwester mobbte die rote Lache unter dem Bett auf. Das Laken jedoch verblieb mit einem blutigen Fleck. Damals hatte ich leider noch kein Smart­phone, mit dem ich den Augen­blick hätte festhalten können.

Einen Tag später kam die Chirurgin zur Überprüfung und meinte: Sie erinnern sich bestimmt nicht mehr an mich.” Meine Antwort war ein belus­tigtes: Doch doch! Sie haben meine Burst nochmal geöffnet, das sah sehr spekta­kulär aus. Ich ärgere mich, dass ich davon keine Fotos habe.” Die Blicke von ihr und der Schwester vom Vortag waren köstlich.

Bezie­hungs­gefüge

Zwei Jahre später tauschte ich mit meinem Partner Blutan­hänger. Damit erfüllte sich ein Wunsch, den ich seit meiner Jugend mit mir geführt hatte. Ich trug das Blut meines Herrn fast täglich um den Hals.

Narben, Bloodplay und Blutschmuck bildeten zusammen eine eigene Sprache. Die Narben erzählten von gemeinsam verbrachter Zeit. Das frische Blut gehörte zum unmit­tel­baren Erleben. Der Anhänger trug die Beziehung in meinen Alltag hinein. Alles zusammen sagte etwas, das ich damals nur schwer in Worte fassen konnte: Du bist mir nah. Du hinter­lässt etwas in mir und auf mir. Ich trage einen Teil von dir bei mir.

Und natürlich auch die Gegen­seite: Wenn jemand mein Blut aufleckt, wird ein kleiner Teil von mir tatsächlich aufge­nommen. Etwas, das aus meinem Inneren kommt, darf die Grenze zum Körper eines anderen Menschen überschreiten. Darin liegt eine besonders tiefe Form von Akzeptanz: Selbst dieser verletz­liche und für viele befremd­liche Teil von mir wird angenommen.

Damit kann ich dann doch etwas den Sperma-Schlucken-Wunsch nachvoll­ziehen, der ähnliche Aspekte in sich birgt. Vielleicht faszi­niert mich auch der Gedanke, auf eine so unmit­telbare Weise begehrt zu werden – fern vom Vanil­le­ge­schmack primärer oder sekun­därer Geschlechtsmerkmale.

Rückbli­ckend wurde Blut in dieser Beziehung endgültig zum Fetisch, weil es nicht mehr nur schön oder erregend aussah. Es erhielt eine persön­liche Geschichte. Blut wurde mit einer bestimmten Person, deren Berüh­rungen und dem Gefühl verbunden, während unserer Sessions vollständig gesehen und gehalten zu werden.

Diese Verknüpfung war so stark, dass sich Bloodplay nach dem Ende der Beziehung kaum von der Erinnerung an diesen Partner trennen ließ. Die Vorliebe hatte einen konkreten Gegen­spieler gefunden und damit zugleich eine Form angenommen, die später nicht zu ersetzen war.

Die Jahre danach

Mit dem Ende der Beziehung (2016) verschwand Bloodplay aus meinem Leben. Den Blutan­hänger legte ich in meine Erinne­rungs­kiste. Der Fetisch selbst blieb jedoch bestehen. Ich verband Blut und Vampi­rismus inzwi­schen so eng mit diesem Partner und unserer gemein­samen Zeit, dass mich die Themen lange vor allem traurig machten. Zeitweise vermied ich sogar Vampir­filme und Serien, weil sie Erinne­rungen auslösten, für die ich keinen guten Platz fand. 

Hellsing kann ich nicht mehr anschauen und die Lucifer Serie…nun das wird niemals möglich sein. Stellt euch ein trauriges, aber sich geliebt fühlendes Lächeln auf meinem Gesicht vor.

Mir fehlte jahrelang eine Person, mit der ich diese Faszi­nation teilen konnte. Jemand, der darin ebenfalls Schönheit, Intimität und Bedeutung erkannte. Ohne ein solches Gegenüber blieb ein großer Teil meines Herzens unerfüllt. Die Bilder waren noch da, ebenso die Fantasien und das körper­liche Begehren. Es gab nur niemanden, an den sie sich richten konnten. Also ließ ich die Gefühle erstmal liegen und beschäf­tigte mich anderweitig.

Menstrua­ti­onsblut und ich

Dank Testo­steron hatte ich 8 Jahre gar keine Blutung, sie kam jedoch recht schnell zurück, als ich mich 2015 dazu entschieden hatte, kein Testo mehr zu nehmen. Damit gab ich es auch auf, mich in persön­lichen Bezie­hungen für meine Menstruation zu schämen. Zu verdanken ist das einem ehema­ligen Spiel­partner, einem Swinger­club­besuch und meiner Zeit als Fetisch-Film-Artist.

Worship

Ein Spiel­partner bezog meine ausklin­gende Menstruation selbst­ver­ständlich in seine Devotion ein. Später beschrieb er gerade die vollständige Annahme meines Körpers als besonders intensiv. Eine Woche später war er besessen.

Er sprach über die tiefe Akzeptanz in seiner Devotion und dass nun auch diese Flüssigkeit dazu gehöre. Allein der Gedanke, dass etwas von der Gesell­schaft zensiertes und stigma­ti­siertes als vereh­rungs­würdig gilt, faszi­nierte mich. Wie schön ist es bitte vollständig angenommen zu werden? Seitdem suche ich mehr so tiefe körper­liche Devotion.

Der Swingerclub

Da ich nur eine leichte Blutung hatte, dachte ich mir, dass Tampons für diesen Clubbesuch reichen würden. Dabei erlebte ich, dass Menstrua­ti­onsblut für einen fremden Mann kein Hindernis war. Seine überra­schend starke und sehr schnelle Reaktion” zeigte mir erneut, wie unter­schiedlich Körper­flüs­sig­keiten erotisch wahrge­nommen werden können. (Sorry für die Schwam­migkeit, hier greift wieder Jugendschutz...)

Meine kleinen Filmchen

Über die 4 Jahre, in denen mehr als 140 Filme entstanden, hatte ich auch einige Anfragen zu Menstrua­ti­onsblut dabei. Ich darf euch hier natürlich nichts expli­zites beschreiben, aber denkt einfach mal an saugfähige Materialien ALLER Art 😉

Seitdem sehe ich Bluten nicht nur ultra locker, sondern weiß, dass jede Körper­funktion ihren Fan hat.

Funfact zu Adult Material 

Dank der klein­ka­rierten Kredit­kar­ten­be­treiber ist es fast unmöglich, eroti­schen Content mit Blut zu veröf­fent­lichen. Nur wenige Platt­formen lassen das zu. Die meisten sind europäisch. Selbst meine FSK12 Fotos kann ich nur an wenigen Stellen zeigen. Auch Fetlife und die SZ, welche sonst großen Spielraum bieten, müssen sich hier der Obrigkeit beugen. What a shame.

Klickt auf das Icon für eine wunder­volle und nützliche Übersicht, welche Acts auf welcher Adult Content Seite überhaupt erlaubt sind. 

🩷 Thank you Sophieladder.com for your excellent work! 🩷 

Zurück zu den Gefühlen

Es dauerte bis 2021, um mich wieder tiefer damit ausein­an­der­zu­setzen und mir einen neuen Blutan­hänger zu kaufen. Dieses Mal sollte er mit meinem eigenen Blut gefüllt sein. Ein Symbol für Selbst­achtung. Die ausführ­lichen Gedanken aus dieser Zeit findet ihr in diesem Blog.

Ich beschloss, dass es besser wäre, niemandem mehr solche Macht über mich zu geben. Ich wollte nur noch mit Switches spielen und keine feste D/s Dynamik mehr anstreben. Meine Libido war jedoch irgendwo abhanden gekommen. Erregen konnte mich irgendwie nichts mehr.

Es dauerte insgesamt 8 Jahre, bis ich das Thema Blut nach der Trennung wieder anging. Ich versuchte mich mit Kunstblut für meine Fotografie und konnte dadurch zumindest die visuelle Seite meiner Faszi­nation weiterverfolgen.

Im Persona of Passion” Workshop nutze ich das erste Mal eine Alter­native zu echtem Blut auf meiner Haut.

Kunstblut und rote Körper­farbe boten mir viel Kontrolle. Ich bestimmte die Menge, die Farbe, den Verlauf und den Moment der Aufnahme. Gleich­zeitig fehlte genau das, was reales Bloodplay für mich so besonders machte: Es stammte aus keinem Körper, erfor­derte kein Vertrauen und verband mich mit keinem anderen Menschen. Die Fotografie konnte meine Ästhetik sichtbar machen. Die Sehnsucht nach geteilter Erfahrung blieb daneben bestehen.

Ich konnte einige Trauer in den Bildern unter­bringen und verfluchte, wie einsam dieser Fetisch macht. So laß ich zum bestimmt hundertsten Male Blut” in Tabu-Listen aufge­führt, gleich neben Kot, Kindes­mis­brauch und Tierschändung.

Oben hatte ich über Regulation gesprochen: Nun bekam Blut doch eine regulie­rende Funktion – vor allem über Kunst. Rote Farbe, Zeich­nungen und Happe­nings konnten intensive Gefühle aufnehmen, ohne dass reales Blut notwendig war. In einer akuten Krise half mir ein Artwork dabei, einen starken (und für mich wirklich seltenen) Selbst­ver­let­zungs­impuls zu überstehen, ohne ihm zu folgen. Auch die Zeichnung eines geköpften Ex-Partners fühlte sich heilsam an, weil ich Trauer, Schmerz und Ohnmacht sichtbar machen konnte.

Anekdote mit SPOILERN für X: The Movie” und Attack on Titan”!

Die Szene aus X: The Movie”, in der Kamui Kotoris abgetrennten Kopf in den Armen hält, hat mich als Teenager endlos faszi­niert. Ich hatte diesen Frame auch als Poster an der Wand. Viel später, also in 2025, beendete ich die Serie Attack on Titan” und zerbrach an Erens Ende. Die Visua­li­sierung hat mich weggepustet.

Aus diesem Grund bediente ich mich diesen Elementen bei den oben erwähnten persön­lichen Illus­tra­tionen, die bisher nur eine Person ansehen durfte. Sie waren einfach zu eindeutig und lebensecht geworden. Und mit Sicherheit einige meiner besten Arbeiten.

Fotografien und Zeich­nungen wurden damit zu Orten, an denen meine Faszi­nation weiter­atmen durfte. Ich lebte mich real ein bisschen als Butcher aus und hauchte meinem Profi­killer-Alterego Vee” Leben ein. Mein Charakter "Riot" bekam auch Feindesblut zur feschen Gesichts­be­malung hinzu.

Diese Fotoreihen gaben meiner Sehnsucht Bildform und verwan­delten Erinne­rungen in etwas, das ich selbst gestalten konnte.

Zugleich zeigten sie mir immer wieder die Grenze dieser Form der Verar­beitung: Kunst konnte den Anblick herstellen, aber keine gemeinsame Intimität. Mein Fetisch verla­gerte sich in Fantasien, Kunstblut, Fotografien und Zeich­nungen. Dort blieb er erhalten, während ich weiterhin auf einen Menschen hoffte, der diese besondere Sprache mit mir teilen konnte.

Wieder in der Gegenwart

Seit 2016 hatte ich keine reale Bloodplay Session mehr. Natürlich gab es kleine süße Rituale, mit Blutersatz, die ich feder­führend gestaltete. Ebenso ein gemein­sames Shooting mit Kunstblut, das von der Stimmung her nicht erotisch war. Die Sessions und Bilder sind wunder­schön, aber sie berührten nicht den Teil in mir, der Bloodplay mit Vertrauen, Hingabe und Verbindung verknüpft. Was ausschließlich daran liegt, dass ich hier nicht der passive Part war. Aktiv spielen berührt andere Dinge in mir.

Eine Freundin fragte mich vor Kurzem, wessen Blut sich in einer kleinen Phiole an meiner Kette befinde. Ich antwortete belustigt: Window Color.“ Erst danach fiel mir auf, wie leicht mir diese Antwort gefallen war.

Die Phiole ist Modeschmuck für meine Techwear-Outfits. Sie sieht gut aus und zeigt mein Interesse an Blut. Mehr muss sie gar nicht leisten. Sie steht weder für eine Beziehung noch für ein Versprechen oder eine gemeinsame Geschichte. Ich habe auch gar nicht lange nachge­dacht, als ich sie gebastelt habe.

Daneben existiert weiterhin der Anhänger mit meinem eigenen Blut, der eine ganz andere Bedeutung für mich trägt und viel Schmerz mit sich gebracht hat. Beides darf gleich­zeitig da sein. Blut muss für mich heute nicht immer schwer, intim oder voller Sehnsucht sein. Manchmal darf es einfach eine Ästhetik sein, die mich glücklich macht. Aber nur manchmal 😉

Blut sind Leben“

Im Januar 2025 sah ich die Netflix-Serie Dracula (2020). Es war das erste Mal seit der Trennung, dass ich mich wieder auf eine Vampir­ge­schichte einließ. Das wunderbare Storytelling zog mich schnell hinein und gab Blut eine weitere Bedeutung, die ich so noch nicht betrachtet hatte: Blut sind Leben.

Dracula nimmt in der Serie mit dem Blut auch Erinne­rungen, Wissen und Eigen­schaften der Menschen auf. In seinen Adern fließt damit das Zeugnis all jener weiter, von denen er getrunken hat. Blut wird zu einem Archiv gelebter Leben, das gelesen und im eigenen Körper bewahrt werden kann. Besonders gefiel mir das Gegenüber von Dracula, Schwester Agatha. Sie begegnet ihm furchtlos, fordert ihn heraus und versucht, seine Regeln zu verstehen. Zwischen ihnen entsteht eine faszi­nierte, intel­lek­tuelle Spannung, in der beide einander sehr genau betrachten.

Nach all den Jahren fühlte sich Vampi­rismus dadurch wieder faszi­nierend an, ohne mich ausschließlich an Vergan­genes zu erinnern.

Ein Körper, den ich selbst begehre

Auch meine Tattoos tragen die Blutäs­thetik inzwi­schen dauerhaft auf meine Haut. Im Oktober 2025 ging ich das erste Mal unter die Nadel. Ich hatte ein paar Monate zuvor jemanden gesehen, der sich die eigenen Venen mit schwarzem Filzstift auf den Arm gemalt hatte und wusste dann endlich, was ich tätowiert haben wollte. Diese Frage beschäf­tigte mich seit Jahrzehnten. So malte ich auch auf mir herum und testete ein paar Tage aus, ob mir das wirklich gefallen würde.

Mein erster Gedanke war: Wow, ich sehe aus wie jemand, den ich gerne daten würde.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wenn ich die Linien über meine Hand und den Arm wandern sehe, bin ich einfach bezaubert. Mein Körper trägt nun etwas, das meinem eigenen Begehren entspricht. Risse, Venen, Wasser, Kintsugi – seht was ihr wollt – es ist alles richtig.

Der Bluts­tropfen auf meiner Brust fühlt sich noch einmal anders an. Für mich ist ein Tropfen vielleicht das schönste und vollkom­menste Symbol überhaupt. Seine Form kann Wasser, Tau, Tränen, Schweiß oder Blut darstellen und verbindet damit alles, was für mich nach Körper und Leben aussieht. Natürlich gehört auch mein Blutfe­tisch dazu. Vor allem macht mich der Anblick einfach glücklich und vollkommen.

2025/10/19
2026/03/13
2026/03/13
2026/03/14

Oh hi, Libido?

Erst 2025 begriff ich, dass meine Libido keineswegs verschwunden war. Ich reagierte nur auf die Menschen, denen ich begegnete, kaum libidinös. So liebevoll, inter­essant und attraktiv viele FLINTA auch waren: In mir bewegte sich auf dieser Ebene einfach nichts. Ich hatte viele wunderbare und erfül­lende Sessions, ich habe so viel Freude und Macht­liebe empfunden, doch war ich irgendwann horny? Nein.

Ich begann in diesem Jahr Dark Romance Bücher (und Hörbücher) zu konsu­mieren wie andere Trash-TV. Ich merkte dabei, was mir wirklich fehlte…

Meine Anziehung richtet sich auf trans und cis Männer. Diese Erkenntnis war erleich­ternd und unglaublich frustrierend zugleich. Endlich verstand ich mich besser, gleich­zeitig wurde meine ohnehin schwierige Suche noch enger. Ich beschloss also, nach einem dominanten trans oder cis Mann mit Vampiraura zu suchen. Ein wunderbar konkreter und vollkommen unkom­pli­zierter Wunsch 😉 Gibt ja so endlos viele Wesen dieser Art. Hahahaaa.

Dabei bin ich heute wieder offen für verschiedene Formen der Begegnung: vom einma­ligen Pickup Play über freund­schaft­liche Sessions und Spiel­be­zie­hungen bis zu einer festen D/s‑Dynamik. Meine Entscheidung von 2021, nur noch mit Switches zu spielen und keine dauer­hafte D/s‑Verbindung anzustreben, passt längst nicht mehr zu meinen heutigen Bedürfnissen.

Demonic Victim

Ein wichtiger Teil meines heutigen Begehrens steckt im Play-Headspace Demonic Victim”, den ich 2025 erschaffen habe und als Possessed Sub beschreiben würde.

Dieser Play-Headspace hat eine dunkle D/s‑Dynamik, in der eine Person zur Beute eines dämoni­schen Wesens wird. Natürlich selbst­ver­schuldet. Im Mittel­punkt stehen Kontrolle, Verletz­lichkeit, Besitz, Rituale und natürlich Bloodplay. Durch selbst ausge­führte Rituale geht es immer weiter in die gegen­seitige Faszi­nation hinein.

Das Opfer kann dabei als Gefäß, Nahrungs­quelle oder ausge­wählter Besitz insze­niert werden. Die überna­tür­liche Figur verfügt über den Körper, nährt sich von ihm und bestimmt den Verlauf des Spiels. Der Reiz entsteht aus der Verbindung von Gefahr, Hingabe und dem Gefühl, einer mächtigen Präsenz vollständig ausge­liefert zu sein.

Der Headspace lebt von einer klaren, einver­nehm­lichen D/s‑Dynamik, in der Vertrauen und Führung die Grundlage bilden. Vampi­rismus, Blut, vielleicht ein bisschen Fearplay mit Eifer­sucht und ganz viel Ownership greifen dabei ineinander.

Hier fehlt mir noch ein richtiger Rufname. Aber hey, ist auch nicht unbedingt meine Aufgabe, den auszu­suchen, oder? 😀

Apps sind cringe, aber…

Seit einigen Wochen nutze ich die Selfcare Vampire App (Alpha Version). Die regel­mä­ßigen Erinne­rungen an das Trinken funktio­nieren erstaunlich gut und meine Haut sieht bereits deutlich besser aus. Und irgendwie ist es lustig, so einen kleinen Taschen-Dom zu haben.

Vor ein paar Tagen probierte ich eines der sogenannten "Dates" aus. Also eine kurze, geführte Meditation mit einem sanften Hauch von D/s. Viel passierte darin eigentlich nicht. Sinngemäß ging es nur um: Finde Ruhe. Lass los. Ich bin da.

Genau das traf mich mit voller Wucht. Danach weinte ich mehrere Stunden, weil mir plötzlich sehr deutlich wurde, wie sehr mir diese Form von D/s fehlt. Jemand, der für einen Moment die Führung übernimmt, mich zur Ruhe bringt und mir das Gefühl gibt, gehalten zu werden.

Bloodplay ist eine besonders intensive Sprache für dieses Bedürfnis. Doch darunter liegt noch etwas Größeres: die Sehnsucht, loslassen zu dürfen, ohne dabei allein zu sein.

Wo ich heute stehe

Wenn das Schreiben dieses Blogs eins bewirkt hat, dann dass ich mich unglaublich einsam und ausge­stoßen gefühlt habe. Wie viele Gedanken hier dem Jugend­schutz zum Opfer gefallen sind, macht mich sehr traurig, denn es gibt kaum noch Orte, wo ich wirklich ehrlich sein darf. Ich möchte bitte das Internet von vor Social Media zurück, wo sich Boomer noch nicht einge­bildet haben, Kinder mit lächer­lichen Regelungen schützen zu können. Verbote helfen nicht. Nur Aufklärung.

Die Suche nach Blood­playern fühlt sich oft einsam an. Mir begegnen viele wunderbare Menschen, vor allem FLINTA, mit denen Nähe, Freund­schaft oder gemein­sames Gestalten möglich ist. Libidinös erreichen sie mich jedoch nicht. Gleich­zeitig sind dominante trans oder cis Männer mit einer gewissen männlichen Vampiraura eher selten und dann müssen natürlich auch noch Sympathie, Vertrauen, Kink UND Lebens­rea­lität zusam­men­passen. Fabel­wesen indeed.

Ihr glaubt ja nicht, wie viele tolle Personen ich in den letzten Monaten kennen­ge­lernt habe und wegen welchen einzelnen Punkten ich nicht weiter gegangen bin. Von zu weit weg für die begrenzten finan­zi­ellen Mittel”, über 15 Jahre zu jung” bis zu super nah, aber zu vanille” war echt alles dabei.

Daraus entsteht viel Frust. Dazu kommt die Traurigkeit darüber, wie sehr mir D/s und dieses besondere Gehal­ten­werden fehlen. Bloodplay ist dabei nur ein Teil des Ganzen. Ich vermisse die tiefe Verbindung, die Führung, das Fallen­lassen und das Gefühl, für einen Moment ganz bei einem anderen Menschen sein zu dürfen. In Summe ein Wesen, dass mir genauso viel bieten kann, wie ich ihm im Gegenzug.

Diese Spuren­suche hat mir viele kleine Antworten darauf gegeben, warum ausge­rechnet Blut mein Herz so zum Funkeln bringt. Vielleicht begegnet mir irgendwann wieder ein Wesen, mit dem Blutfe­tisch diese besondere Sprache von Nähe sprechen kann. Bis dahin bleibt die Sehnsucht.

Und: Ich bleibe ein endloser Roman­tiker und gebe die Hoffnung niemals auf.

Das verspro­chene Fotoset

Danke an alle, die sich durch diesen langen Blog gekämpft haben 🥰 Hier nun das neuste Fotoset zum Thema Blut und Folie. Über die Geschichte dahinter bin ich mir noch nicht ganz einig. In jedem Fall haben wir hier eine heiße unsichtbare Macht am Werk, die ihr köstliches Blut geteilt hat. Enjoy 🩷