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Es ging niemals um mich

  • Beitrags-Kategorie:Identität

⚠️ Trigger Warnung! ⚠️ 

Sexuelle Grenz­ver­let­zungen, sexuelle Gewalt, Kindes­wohl­ge­fährdung, emotionale Vernach­läs­sigung, häusliche Gewalt, Panik­at­tacken, Retrau­ma­ti­sierung, Kontroll­verlust, psychische Belastung

Wenn du merkst, dass dich solche Themen schnell überwäl­tigen, dann schütze dich bitte und lies diesen Blog nur in einem Moment, der sich sicher anfühlt.

Einleitung

Meine Mutter sagte immer, Blut sei dicker als Wasser – jedoch scheint es wohl dünner zu sein als die Säfte der Lust.
Dieser Blog ist der Versuch, meine aktuellen Erkennt­nisse zu meinem sexuellen Trauma in Worte zu fassen. Wie immer erzähle ich sie roh, sprunghaft und eckig, wie Heilungs­pro­zesse nunmal sind. Bitte pass gut auf dich auf, während du meine Zeilen liest.

Than Water 

ONR, The Listening Planet 

Wo Sicherheit hätte sein müssen

Wenn ich die Geschichte meiner Sexua­lität erzählen soll, komme ich nicht umhin, von den verwir­rendsten, schmerz­haf­testen und einsamsten Momenten meines Lebens zu berichten. Sie haben dafür gesorgt, dass in mir Persön­lich­keits­an­teile feststecken, die nicht zusammen mit meinem Körper mitaltern konnten. Ich bin sicher weit von einer Integration dieser Anteile entfernt. Und ja, ich liebe jedes der Bruch­stücke, weil es auf seine ganz eigene Weise glänzt.

Das erste Bruch­stück entstand wohl, als ich drei Jahre alt war. Meine Mutter startete die Trennung vom Namens­geber und setzte damit eine Zeit von zerrüt­tenden Umzügen in Gang. Mir wurde der Mensch genommen, der mich wirklich sah. Der Mann, den mein Leuchten aus so manchem depres­siven Morgen gerettet hatte. Ich kleines Antidepressiva.

Er sollte noch viele Jahre versuchen, Kontakt zu erhalten, Stalking betreiben und sich durch einen negativen Vater­schaftstest jegliches Recht auf Treffen verspielen. Sie berichtete, dass sein Trinken eine Gefahr für mich sei, während sie nie da war, sondern mit einem neuen Mann Zeit verbrachte. Was ich wollte oder gebraucht hätte, inter­es­sierte nicht.

Ich hatte bald ein eigenes Zimmer über einem Winter­garten, an dem sich Pflanzen hinauf schlän­gelten. Es war sehr einsam und viel zu oft wurde ich nachts wach, da sich Mücken Zutritt verschafft hatten. Das Summen dieser Tierchen verur­sacht heute noch Panik­at­tacken, wenn es mich aus dem Schlaf reißt.

So rannte ich das eine oder andere Mal pro Woche weinend durch das obere Stockwerk. Wenn meine Mutter allein war, so konnte ich bei ihr im Bett schlafen. Jedoch immer dann nicht, wenn sie Besuch hatte. Das Zimmer meines älteren Bruders befand sich gleich nebenan. Er ist neuneinhalb Jahre älter als ich und rettete das kleine Mich sehr oft aus der Panik.

In diesem nonver­balen Zustand stecke ich dann fest, wenn gar nichts mehr ging.

Mutter sollte mein Verhalten später als Psycho­terror” bezeichnen. Ja, wie kann ich es auch nur wagen, verängstigt zu sein und Hilfe zu suchen. Es waren natürlich nicht ausschließlich die Mücken, die mich aufweckten, eher die regel­mä­ßigen Geräusche von Sex, der laut über den Flur hallte. Wie es meinem Bruder damit ging, will ich mir auch nicht vorstellen.

Kein Raum für mich

Irgendwann bin ich acht Jahre alt geworden und wir ziehen in eine völlig überteuerte kleine Wohnung um. Nun habe ich kein eigenes Zimmer mehr, sondern schlafe auf einer Matratze, die auf dem Boden neben dem Bett meiner Mutter liegt.

Der neue Mann, zu dem Zeitpunkt selbst noch verhei­ratet, kommt alle paar Tage vorbei und bleibt über Nacht. Mir wird erzählt, dass er viel auf Dienst­reise sei. In Wirklichkeit lebt seine Frau in den Neubau­häusern ein paar Straßen weiter. Sie schickt meiner Mutter ein weißes Höschen mit rot einge­stickten Buchstaben. Die Botschaft lautete: Letzte Warnung”. Etwas später wird sie den neuen Mann für ihre Midlive-Crisis verant­wortlich machen und versucht ihn zu verklagen. Es scheitert jedoch kläglich, als sie versucht, mich ausfindig zu machen und dabei ein anderes Kind bedroht. Zu blöd, dass dessen Mutter Polizistin ist und so prügelte sie sich mit eben dieser vor dem Wohnhaus. Wirklich besser als jede Seifenoper.

Aber gehen wir wieder zurück zu mir. Solange der neue Stief­vater nicht da ist, geht es mir eigentlich ganz gut, auch wenn ich keine Nacht durch­schlafe. Wenn er jedoch da ist, so bin ich ausge­liefert. Ich wache auf, da ich höre, wie sie Sex haben. Direkt neben mir. Noch habe ich keinen Sexual­kun­de­un­ter­richt und weiß nicht genau, was da passiert. In mir ist alles an Gefühlen, was geht: Angst, Wut, Ohnmacht, Verzweiflung und auch Stille.

Einmal versuche ich zu fliehen, stehe auf, wandere ins Wohnzimmer, doch es wird bemerkt. Ich werde zurück­ge­bracht. Im Unter­richt schauen wir dann ein Video, bei dem erklärt wird, wie Geschlechts­verkehr funktio­niert. Irgendwas mit Reibung. Meine Mutter versucht mir zu erklären, dass er ihr in solchen Situa­tionen nicht weh tun würde. In meinen Zwanzigern suche ich das Gespräch mit ihr zu diesem Thema nochmal, um ihr zu erklären, wie sehr mir das geschadet hat. Sie sagt zu mir, dass sie sich nicht bewusst war, etwas falsch zu machen und dass er ja gar nicht gekonnt hätte”, wenn er gewusst hätte, dass ich wach war.

Übergangen

Diese Situation” muss ich zwei Jahre lang regel­mäßig durch­leben. Ich kann die Geräusche bis heute noch in mir hören. Ich höre sie jedes Mal, wenn ich versuche, meine eigene Stimme zu benutzen. Es hat mich so stumm und machtlos gemacht. Auch erwache ich, wenn sich im Bett neben mir etwas auch nur das geringste bisschen bewegt.

Mein älterer Bruder hatte sich frühzeitig aus der Situation befreien können, indem er zur Ausbildung bis nach Öster­reich wegging. Wo wir früher so viel Zeit gemeinsam hatten, war nun nur noch Leere. Doch er brach die Ausbildung ab und ging zum Bund. So war er dann öfter am Wochenende zu Hause. Falls ihr jetzt gedacht habt, dass meine Mutter sich sexuell zurück­halten würde…nein. Er saß dann im Wohnzimmer und hat bis in die Nacht fernge­sehen, um nicht ins Zimmer gehen zu müssen.

Er war immer mein Beschützer, mein Held. Bis zu dieser einen Nacht. Mutter und Stief­vater waren unterwegs und er sollte auf mich Acht geben. Da ich kein eigenes Zimmer hatte, waren meine Spiel­sachen in einer Art Durchgang unter­ge­bracht. So ein kleiner Raum, vielleicht 2 Quadrat­meter groß. Man konnte eine Tür schließen. Mein Bruder trug die Matratze in den kleinen Raum, quetschte sie hinein, sodass sie sich an den Seiten hoch bog und sagte mir, dass ich heute Nacht dort schlafen solle. Unserer Mutter durfte ich nichts davon erzählen. Tat ich auch nie.

Er verschwand und ließ mich allein in der Wohnung. Natürlich konnte ich nicht einschlafen und wanderte ins elter­liche Bett. Irgendwann kam er dann mit einem Mädchen nach Hause und trug mich rüber in den kleinen begeh­baren Kleider­schrank. Ich war wieder wach und sah sie beschämt stehen. Er verschloss die Tür und ich musste dort bleiben. Am nächsten Morgen aßen wir gemeinsam Frühstück.

Ich hasste sie. Sie und ihre dämliche Zebra-Uhr, deren Ziffer­blatt sich in jeder Sekunde klickend änderte. Ihm konnte ich jedoch nicht böse sein. Er war schließlich der Mensch, den ich am meisten liebte.

Abgespalten, nicht geheilt

1999 zogen wir um und dieser Horror hatte ein Ende. Nun war ich schon zehn Jahre alt. Sie wunderten sich, dass ich ab diesem Zeitpunkt kein einziges Mal versuchte, nachts zu ihnen ins Bett zu kommen. Das traurige Kind wurde abgespalten und ich ging in einen Teeny über, der keine Zukunft mehr sah. Der neue Mann erstickte alles, was mich ausmachte im Keim.

Nun bin ich zwölf Jahre alt. Meine ersten Erfah­rungen mit Petting waren teenge­recht und wirklich vanilla. Dieser erste Freund war wohl die normalste Beziehung, die ich je hatte. Ich bin mir nichtmals sicher, ob er neuro­divers ist, wie alle folgenden Partner:innen.

Zu dieser Zeit entdeckte ich auch mein Interesse für Hentais und erotische Geschichten. Die Vox-Anime-Nights haben es mir wirklich angetan. Meine Mutter sprach mich auf die Heftchen an und tat kund, dass sie so etwas nicht leiden könnte. Erst nach ihrem Tod (2022) erfuhr ich von meinem leiblichen Vater, dass er sie zig mal semipro­fes­sionell als Akt und porno­gra­fisch fotogra­fiert hatte. Er war entrüstet, dass sie mich gescholten hatte. Er bezeichnete sie in diesem Zuge auch als nymphomanisch.

Flucht ist keine Heilung

Mit 18 zog ich aus – direkt 400 Kilometer entfernt. Was ein bedeut­samer Befrei­ungs­schlag das eigentlich war, begriff ich erst sehr viel später.

Ich zog zu meiner ersten richtigen Langzeit­be­ziehung, die zuvor nur eine Fernbe­ziehung war. Ein paar Jahre ging das halbwegs gut. Sie hatte ihre Ausbrüche und versuchte mich auch nur drei mal umzubringen (im Schlaf mit einem Kissen ersticken, hinter der Tür hervor­springen und mich mit einer Kordel erdrosseln, mit diversen Gegen­ständen erschlagen), aber hey, es hätte auch noch mehr sein können.

Irgendwann kam eine dritte Person hinzu, eine Freundin, die sich mit ihrer lustigen Art bei mir so einma­ni­pu­lierte, bis ich ihr nicht mal böse sein konnte, dass meine Partnerin mich regel­mäßig mit ihr betrog. Das klärende Gespräch über ihr Fremd­gehen fand auf dem Rücksitz eines Autos, beim Rückweg von einer Convention statt. Mir liefen die Tränen herunter, es gab jedoch keine Taschen­tücher. Ich fand nur Menstrua­ti­ons­ar­tikel und trocknete mir die Augen also mit einer Binde ab. Glück­li­cher­weise hatte ich farbige Kontakt­linsen drin und konnte behaupten, dass diese mir gerade die Augen ausbrennen würden. Sagenhaft.

Sie hatte auch nicht damit gerechnet, dass es mir so weh tun würde. Es begann damit, dass sie zuerst nur SM Spiele unter­nahmen, doch Sex kam schnell dazu, da sie sich als kompa­tibel” heraus­stellten. Eigentlich wollte ich so schnell wie möglich ausziehen, aber es zog sich noch ein paar Monate hin.

Zu der Zeit kehrte ich noch regel­mäßig in das eklige, kleine ostdeutsche Dorf zurück. Ich erinnere mich gut an ein Weihnachten, das letzte Mal, dass ich im Elternhaus übernachten sollte. Mehrere Tage verbrachte ich im Gäste­zimmer und der Router konnte absolut nicht damit leben, wenn ich einige bestimmte Inter­net­seiten aufrief. So wurde ich öfter gekickt. Dagegen half nur, den Router neu zu starten. So tapste ich zum Arbeits­zimmer, wo die Buchse an der Wand verschraubt war. Dann hört ich sie: Meine Mutter hatte mit ihrem neuen Partner Sex.

Ich hyper­ven­ti­lierte, mir liefen die Tränen herunter und ich eilte schnell wieder in das Gäste­zimmer. Die Kopfhörer drehte ich auf das Maximum und war kaum in der Lage, mich aus der Panik zu lösen. Ich chattete meine Freunde an und versuchte mich zu beruhigen.

Wieder zurück bei meiner Partnerin fand ich diese und die Freundin” in unserem gemein­samen Bett vor. Damals war ich perplex und geriet wieder in jedes nur mögliche Gefühl. Zum Schutz verschanzte ich mich erstmal in meinem Raum und schlief auf dem Boden. Hier wurde dann mein männlicher Schutz­anteil aufge­rufen, der irgendwo um mein 16 Lebensjahr entstanden sein muss. Irgendwie musste ich mich aktiv selbst retten.

Ich entschied mich am folgenden Tag, das so nicht hinzu­nehmen und schmiss die zwei aus dem Schlaf­zimmer. Sollten sie halt auf der Couch schlafen. In den darauf­fol­genden 96 Stunden schlief ich vielleicht neun davon. Meine Ohren schmerzten von der Dauer­be­schallung, aber ich konnte jetzt keine Geräusche ertragen. Die zwei Katzen waren während dieser Zeit bei mir. Sie rollten sich in meinen Armen ein und verließen das Bett nur zum Essen und um das Klo zu nutzen. So hatte ich die weibliche Katze noch nie erlebt. Sie mochte mich eigentlich gar nicht und trotzdem war sie für mich da.

Mein Nein war nicht genug

Spulen wir vor. Ich bin nun 21 Jahre alt und kann endlich ausziehen.

Ich treffe die Zwei wieder auf einer Convention. Sie haben wohl das Hotel­zimmer neben mir und meiner neuen Freundin. Meine Ex lacht und meint zu mir, dass sie überlegt haben einen Porno anzumachen und auf voller Lautstärke laufen zu lassen, während sie rausgehen. Ja, sie kennt mein Lebens­ge­schichte. Nein, ich bin nicht überrascht.

Noch ein kleiner Zeitsprung. Inzwi­schen habe ich eine (von seiner Seite aus) geheime Partner­schaft mit meinem besten Freund, der mich vor zwei anderen Menschen geheim hält, die ihn ebenfalls lieben. Er war immer so darauf bedacht, niemanden zu verletzen, dass seine White Lies riesengroß geworden sind. Es dauert nochmal Jahre, bis ich ihn dazu gezwungen habe, gegenüber den anderen endlich etwas zu sagen. Er hatte solche Angst, dass sie ihn verlassen würden. AS IF. Ich schätze mal, dass wenigstens einer von beiden sich bis heute nach ihm verzehrt. Auch wenn ich es absolut nicht hoffe und diesem lieben Wesen nichts mehr wünsche als Freiheit.

Dieser Partner verbirgt Teile seiner Sexua­lität vor mir, weil er sich so sehr dafür schämt. Ich frage mich zu diesem Zeitpunkt schon, ob ich das für eine Beziehung möchte – Geheim­nisse, die ich respek­tieren muss. Gespräche, Rollen­spiele, Blogs, die ich nicht lesen darf. Komme ich damit zurecht? Nein.

Irgendwann beende ich diese Beziehung und schwöre mir, dass ich nur noch radikale Ehrlichkeit zulassen werde. Keine Lügen, auch keine Lügen aus Schutz. Keine Geheim­nisse hinter meinem Rücken. Ich will vertrauen können. Blind.

In meiner nächsten Beziehung überkom­pen­siere ich völlig. Wo vorher Asexua­lität herrschte, weht hier ein hyper­se­xu­eller Gegenwind. Ich habe in den ersten Monat so viel GV wie in meinem ganzen Leben nicht. Viele Jahre vergehen und ich lebe die von mir gewünschte radikale Ehrlichkeit. Jeder von uns hat seine Art von Sex und BDSM mit verschie­densten Partner­per­sonen. Ich erzähle von Workshops und Partys, auf die wir nicht gemeinsam gehen. So leben wir vor uns hin. Wir haben nur ganz wenig klar abgesteckte Regeln, die auch nicht verschrift­licht sind, da ich weiß, wie viel Angst vor Einschränkung durch Kontrolle er hat.

Doch etwas ändert sich. Ich benutze das erste Mal mein Veto gegen eine mögliche neue Person. Ich sehe sie als extrem bezie­hungs­ge­fährdend an. Doch mein Veto wird nicht respek­tiert, sondern über Wochen emotional unter­graben, bis ich es zurück­nehme. Über Monate hinweg wird mir der Stand der Beziehung verschwiegen und ich werde direkt angelogen. Ich dachte sie knutschen nur, doch es gab Sex und Übernach­tungen. Sie hat in meiner Abwesenheit in meinem Bett geschlafen ohne mein Einver­ständnis. Grenzen wurden bewusst überschritten, auch mit Folgen für meine körper­liche Gesundheit.

In einem Moment, in dem die Lügen sich aufein­ander stapeln, stehe ich auf und gehe zu ihm rüber. Ich sage ihm, dass ich ihn ohrfeigen will, dass er sich hinstellen soll, die Brille abnehmen und sich die Ohrfeige gefallen lassen soll. Er folgt und ich schlage zu. In ihm bricht etwas, das kann ich in dem Moment sehen. Ein kleiner verletzter Junge blickt mich an. Ein Kind, das von den Eltern regel­mäßig geschlagen wurde.

Mein männliches Ego hat für den wütenden Teenager ausagiert, was ihn damals so verletzt hat. Zu viel der Ohnmacht, zu viel des Schmerzes.

Dann breche ich in Tränen aus. Ich bin verzweifelt. Als ich sage, dass er bitte keinen Sex mehr mit ihr hat, bis es zwischen uns wieder in Ordnung ist. Er verliert die Fassung, schweigt die folgenden Tage und entzieht mir jegliche Nähe.

Vier Tage später wollte von meinem KI-Assisten wissen, wieso mir der Gedanke daran, dass die Zwei Sex haben so den Magen umdreht. Als ich die speku­lierten Zeilen lese, habe ich die schlimmste Panik­at­tacke seit jener Nacht zu Weihnachten. Ohnmächtig, unwichtig, klein und schutzlos. Niemand inter­es­siert sich für meine Gefühle. Ich hätte Wahrheit gebraucht, um sicher zu sein. Ich bin wieder acht Jahre alt.

Erst versuche ich so still wie möglich zu sein. Mein Mann soll nichts hören. Doch es hört nicht auf. Panisch suche ich Hilfe bei dem Mann, der mich doch so verletzt hat. Und das, obwohl ich weiß, dass er gerade keinen körper­lichen Kontakt mit mir will.

Er überlegt kurz und hält mich, ist für mich da. Das war bedeutsam. Endlich stellt mal jemand die eigenen Bedürf­nisse zurück.

Das Muster

Und nun stehe ich hier. Wenn ich mein Leben von außen betrachte, zieht sich eine Linie durch all diese Bezie­hungen, so klar, dass sie kaum zu übersehen ist. Jeder Mensch, dem ich mein Herz anver­traut habe, spielt das Spiel meiner Kindheit aufs Neue. Ich bin niemals wichtig genug, dass meine Gefühle schwerer wiegen als die Sexua­lität anderer. Die Beziehung zu mir ist niemals wichtig genug, dass Ehrlichkeit ganz oben steht.

Ich fragte mich immer, wieso ich dieses blöde Problem habe, immer das Wichtigste für meine Partner­person sein zu müssen. Wie lächerlich das doch sei. Wie unrecht­mäßig. Wieso brauche ich eine Nestpart­ner­schaft, die wichtiger als alles andere sein muss? Warum nicht Anarchie?

Aber nun sehe ich: Doch, es hat mehr als nur einen Grund – es hat mehr als nur eine Berech­tigung. Ich war einfach niemals wichtig genug. Wirklich nicht wichtig genug. Nicht einge­bildet. Es war wirklich so.

Und ich brauche Sicherheit. Ich brauche einen Menschen, der wirklich bei mir sein will.

Zusammen gegen die Welt. Zusammen mit anderen Menschen, jeder für sich, aber wissend, dass da immer jemand ist, für den wir die Welt abfackeln würden. 

Wenn du das alles gelesen hast, dann danke dir. Es wollte einfach mal raus, damit es mich nicht weiter vergiftet. Bitte wisse, dass ich gerade dabei bin, mich wichtiger zu nehmen. Ich möchte diese Fehler nicht immer und immer wieder machen.

PS: Eigentlich war dieses Fotoshooting gar nicht für den Blog geplant, aber wie es der Zufall, oder die Vorsehung, so will, passt es einfach zu gut.